{"id":2121,"date":"2013-05-21T16:06:41","date_gmt":"2013-05-21T14:06:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.asv-kiel.de\/fidk\/?p=2121"},"modified":"2013-05-21T17:11:45","modified_gmt":"2013-05-21T15:11:45","slug":"morgendammerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.asv-kiel.de\/fidk\/?p=2121","title":{"rendered":"Morgend\u00e4mmerung"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck, meine Freiwache hat soeben begonnen, \u00e4u\u00dfere ich laut die Frage, was tun mit dem angebrochenem Morgen. Sogleich prasselt eine Salve von Vorschl\u00e4gen auf mich ein. Der letzte kommt von Ole: \u201eEinen Blog-Eintrag schreiben\u201c.<\/p>\n<p>Doch womit f\u00fcllt man den Artikel? Alle \u00e4u\u00dferen Ereignisse auf dem T\u00f6rn &#8211; gefangene, fast gefangene und nicht gefangene Fische &#8211; sind im Blog l\u00e4ngst beschrieben. Beim Meditieren \u00fcber die Frage stelle ich fest, dass es dieselbe ist, die in anderer Form immer wieder (verst\u00e4ndnislos) von Freunden, Bekannten und Verwandten gestellt wird: Wie kann man drei Wochen des wertvollen Urlaubs auf dem Atlantik auf einem 55 Fu\u00df Schiff verbringen, ohne irgendetwas anderes zu sehen als Wasser, Wasser, Wasser und immer wieder die gleichen elf Gesichter? Ich versuche diese Frage mit der Schilderung der ersten zweieinhalb Stunden des noch jungfr\u00e4ulichen Tages zu beantworten.<\/p>\n<p>Um halb vier Uhr Bordzeit weckt mich das \u201ereise, reise\u201c zu meiner Wache. Eigentlich ist es noch viel fr\u00fcher. Wir befinden uns auf ca. 53\u00b0 westlicher L\u00e4nge, nach Zonenzeit ist es also erst halb zwei Uhr, tiefste und vor allem pechschwarze Nacht. Keine gute Zeit zum Aufstehen! Halb verschlafen beginnt das Anziehen. Der Peter liegt ordentlich auf dem Ohr, das Vorschiff verst\u00e4rkt das Rollen und Stampfen des Schiffes noch einmal. Man mu\u00df sich sorgf\u00e4ltig festkeilen, um beim Anziehen nicht \u00fcber Stag zu gehen. Ein Bein in die zugeh\u00f6rige \u00d6ffnung der Hose zu stecken, das bedarf im heimatlichen Schlafzimmer keiner besonderen Planung. Im Vorschiff des in der Welle arbeitenden Peters ist das anders. Das betreffende Bein und eine Hand, um die Hose entsprechend zu positionieren, stehen f\u00fcr das Festhalten nicht zur Verf\u00fcgung. Verbleiben noch eine weitere Hand und ein Bein zum Abst\u00fctzen. Das ist zu wenig. Alle sonstigen noch freien K\u00f6rperteile m\u00fcssen \u00fcberlegt eingesetzt werden. Andernfalls w\u00fcrde man bei einem pl\u00f6tzlichen \u00dcberholen wie eine Kanonenkugel durch das Schiffsinnere schie\u00dfen. Grob gesch\u00e4tzt m\u00fcssen ungef\u00e4hr 10 \u00c4rmel und 8 Hosenbeine gef\u00fcllt werden bis man seefertig ist, dazu kommen Socken und Seestiefel. Das Anziehen ist also richtig Arbeit und 20 Minuten Zeitaufwand sind daf\u00fcr eher knapp geplant.<\/p>\n<p>Das sind die M\u00fchseligkeiten des Segelns. Jetzt kommen die Freuden. Kaum an Deck angekommen, umf\u00e4ngt mich der Zauber der Atlantiknacht. Wir haben 20 bis 25 Knoten Wind. Der Peter schie\u00dft mit halbem Wind unter Genua 3 und einmal gerefftem Gro\u00df mit 8 \u2013 9 Knoten durch die dunkle Nacht. Bug- und Heckwelle rasen mit gro\u00dfer Geschwindigkeit am Schiff vorbei, das Meeresleuchten sorgt f\u00fcr ein st\u00e4ndiges Glitzern und Funkeln des Schaums. Dazu das Bewusstsein der Einsamkeit, unter 500 sm Entfernung in jede Richtung gibt es kein Land.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, mittlerweile stehe ich am Ruder, zeigen sich die ersten Vorzeichen des nahenden Morgens. Langsam heben sich voraus vom eint\u00f6nig dunklem Himmel schwarze Wolken ab. Hinter ihnen beginnt sich das Firmament zu erhellen. Einige Flecken hellblauen Himmels f\u00fcllen den Raum zwischen den Wolken aus. Langsam f\u00e4rben sie sich r\u00f6tlich-golden. Eine Ahnung des ewigen Laufs der Zeiten macht sich breit. Dazu das monotone Rauschen von Welle und Wind. Segelschiffsromantik pur.<\/p>\n<p>Um 6:00 Uhr, die Sonne ist noch nicht aufgegangen, wird meine Wache abgel\u00f6st. Ich bedauere die Abl\u00f6sung schon fast, denn den eigentlichen Sonnenaufgang werde ich nun unter Deck beim Fr\u00fchst\u00fcck oder in der Koje verpassen.<\/p>\n<p>Ottfried f\u00fcr die PvD-Crew<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck, meine Freiwache hat soeben begonnen, \u00e4u\u00dfere ich laut die Frage, was tun mit dem angebrochenem Morgen. Sogleich prasselt eine Salve von Vorschl\u00e4gen auf mich ein. Der letzte kommt von Ole: \u201eEinen Blog-Eintrag schreiben\u201c. 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